Restaurierung des Pfarrhauses in den Jahren 1999/2000

 

 

 

 

Das Pfarrhaus im heutigen Zustand

 

 

 

Im Zeitraum vom Frühjahr 1999 bis Herbst 2000 wurde unser altehrwürdiges Pfarrhaus  unter denkmalspflegerischer Anleitung restauriert. Durch die jahrzehntelange Nutzung machte sich eine grundlegende Sanierung dringend erforderlich. Sie erfolgte in zwei Bauabschnitten. Zuerst wurde der westliche, ältere Teil des Gebäudes mit der Wohnung für den Pfarrer, der neuen Kanzlei und dem Refektorium umgestaltet. Nach der Winterpause wurde dann im Frühjahr 2000 der östliche Gebäudeteil instandgesetzt.

 

Ausgangspunkt für die Renovierung und Sanierung des Pfarrhauses war die Erhaltung und teilweise Wiederherstellung des aus dem Mittelalter stammenden Gebäudes. Trotz vieler, im Laufe der Zeit durchgeführten Umbaumaßnahmen, gab es noch viele Details und Bauwerksteile aus früheren Zeiten, sodass es möglich war, einige Bauphasen nachzuvollziehen. So kann man das zweigeschossige Gebäude, das sich über 38,5 m in Ost-West-Richtung erstreckt, als Wohnstallhaus mit Oberlaube erkennen. Der Ostflügel wurde in Fachwerkbauweise über das massive Erdgeschoss auskragend erbaut und ursprünglich für Wirtschaftszwecke genutzt. An der Südseite ist ein Vorbau mit Satteldach und verschiefertem Obergeschoss angeordnet, der sicherlich später als das Hauptgebäude errichtet wurde. An der zum Friedhof hin gelegenen Nordseite ragt ein Gebäudeteil, in dem sich ein Refektorium befand, aus der Front  heraus. Der massive Westflügel und das Refektorium dürften die ältesten Teile des Hauses sein. Ein unter dem Westflügel befindlicher Keller ist teilweise in den felsigen Untergrund eingearbeitet.

 

 

Das Pfarrhaus (Friedhofseite) vor und nach der Sanierung

 

 

Die beiden noch vorhandenen Kellerräume mit Tonnengewölbe, verzierten Natursteingewänden und einer Tafel mit einem Kruzifix deuten auf eine noch frühere Entstehung hin. Die vom Restaurator, der am Bau beteiligt war, geäußerte Vermutung, dass es sich um eine ehemalige Wegekapelle handelt, ist bisher nicht zu belegen. Insgesamt bilden das Pfarrhaus als ältestes Wohnhaus im Stadtgebiet von Chemnitz mit der Kirche und der Kirchschule ein historisches Ensemble von außerordentlicher denkmalspflegerischer Bedeutung.

Die Sanierung des Gebäudes geschah in zwei Bauabschnitten. Im ersten Bauabschnitt wurde 1999 der westliche Gebäudeteil renoviert. Die Bearbeitung des zweiten Bauabschnitts erfolgte im Jahr 2000. Bei den Fassaden waren reparaturbedürftige Porphyrgewände instandzusetzen. Es wurden alle Porphyrteile steinmetzmäßig überarbeitet. Für die neuen Fenster des Jugendraumes und für die stark geschädigten Gewände an der Friedhofseite gelangten neue Gewände, die durch Abbruch-Rückgewinnung hergestellt wurden, zum Einsatz. Die Erneuerung der  aus unterschiedlichen Zeiten stammenden Fenster erfolgte nach denkmalspflegerischen Vorgaben. Das barocke Kreuzstockfenster neben dem Eingang zum Jugendraum aus dem 18. Jahrhundert wurde belassen. Die Restaurierung geschah in liebevoller Handarbeit. Die übrigen renovierungsbedürftigen Fenster wurden in der aufwendigen Kastenfensterform nachgebaut. Die später eingebauten Fenstergitter wurden entfernt. Das an der Friedhofseite befindliche kleine historische Fenstergitter blieb in seinem alten Zustand erhalten. Das Fachwerk wurde dem vorhandenen Originalzustand entsprechend wieder instandgesetzt und die Gefache mit einem Glattputz versehen. Durch die Entdeckung des Fachwerks links des Eingangsvorbaues war es möglich, diesen Teil wieder mit Fachwerk zu gestalten, und andererseits ergab sich ein Hinweis auf die frühere Farbgestaltung. Mit der vom Kirchenvorstand getroffenen Entscheidung, den gesamten Außenputz zu erneuern, war der Weg frei, um das gesamte Gebäude wieder in alter Schönheit erstrahlen zu lassen. Vom alten „Kratzputzpanzer“ befreit, sind die alten Natursteinwände durch den wandfolgenden hellen Glattputz wieder sichtbar geworden.

Hervorzuheben ist die aktive Mitwirkung durch die Untere Denkmalbehörde, die z. B. die Farben der Teile des Baues auf der Basis von Befunduntersuchungen vorgegeben hat. Die Gestaltung der Außentreppe erfolgte durch neue Stufen aus farblich passendem Granit. Eine der wichtigsten Baumaßnahmen war die äußere Trockenlegung des gesamten Gebäudes. Weil eine Mauerwerkssperrung nicht möglich war, wurden eine Vorsatzschale mit Dickbeschichtung und eine Dränage eingebaut. Alte Behelfsmaßnahmen, um die innere Feuchtigkeit abzuwehren, wie Vorwände, Sauerkrautplatten und Holzvertäfelungen, konnten nun abgerissen werden. Eine neue Entwässserung erfolgte für das gesamte Gebäude einschließlich des Anschlusses an den Hauptsammler. Das Haus wurde mit einer neuen Gas-Zentralheizung versehen.

Die an den Ostgiebel angebauten Friedhofstoiletten mussten abgerissen werden. Die salpeterbelastete Giebelwand ist mit einer Vorsatzschale und Dränage versehen worden. Die anschließende Natursteinmauer musste von der Hauswand getrennt werden.

 

Innengestaltung

 

Der Innenbereich wurde funktionell neugeordnet. Besondere Aufmerksamkeit wurden dem einsturzgefährdeten Refektorium und der daneben befindlichen Mönchszelle gewidmet. Durch den Abriss eines früheren Schornsteines wurde die Spannung aus dem Gewölbe genommen. Zusätzlich stellte sich heraus, dass eine vorgeblendete Stützmauer die Natursteinaußenwand von außen hielt. Durch einen Ringanker, Verpressung und Zuganker sowie einer schonenden Teilaufmauerung mit vorhandenem alten Material war es möglich, diese Räume, die zuletzt  „Kohlebunker“ waren, zum „schönsten Raum“ des Gebäudes umzufunktionieren.

 

 

Refektorium vor und nach der Sanierung

 

 

 

Refektorium als Begegnungsstätte

 

 

Durch Zerschneiden der alten starken Porphyrbodenplatten ist die Aufarbeitung des Fußbodens gut gelungen. Es erfolgte die Installation einer Fußbodenheizung. Im gesamten Erdgeschoss wurde der Fußboden abgerissen, ca. 50 cm tief ausgeschachtet und wieder mit Sauberkeitsschicht, Dämmung und Estrich aufgebaut. Dabei erfolgte eine Unterfahrung aller Fundamente, da keine Gründung vorhanden war. Die Kanzlei erhielt eine Fußbodenheizung mit keramischem Plattenbelag. Die Gestaltung des Hausflures nach historischem Vorbild mit Theumaer Schiefer ergab eine vortreffliche Aufwertung.

 

 

 

 

Flur im Pfarrhaus nach der Sanierung

 

Die Holzwangentreppen in beiden Aufgängen wurden nach den historischen Vorbildern erneuert. Der Holzverschlag vor dem Kellereingang wurde entfernt. Sämtliche noch brauchbare Türen wurden einschließlich der Beschläge und Schlösser aufgearbeitet. Der Fußboden im Obergeschoss wurde saniert. Im Bereich der Pfarrerwohnung wurde der gesamte Fußboden aufgenommen. In Anlehnung an den historischen Charakter des Gebäudes erfolgte die Einbringung einer Nadelholzdielung. Unter der Treppe zur Pfarrerswohnung wurde ein Wappenstein gefunden, der nach der Aufarbeitung durch den Restaurator Wolfgang Conrad, Lutherstadt Eisleben, ein Schmuckstück geworden ist. Aus dem Bericht des Restaurators ergibt sich, dass wir es wahrscheinlich mit Sandstein zu tun haben. Dargestellt ist das kursächsische Wappen mit Kurhut und Weltkugel. Das zugehörige Kreuz fehlt leider. Der Wappenstein befindet sich jetzt an der Wand zum Eingang des Gemeindebüros im Erdgeschoss des Pfarrhauses.

 

 

 

 

 

Besondere Beachtung fanden die Lehmdecken mit Stuckverzierung über der neuen Kanzlei und der Pfarrerwohnung. Diese konnten trotz Balkeneinzug und Verstärkung der Auflagen erhalten werden. Besonders schwierig gestaltete sich die Sanierung der Mauerkrone auf der Friedhofsseite. Im Mittelteil mussten hier fast alle Deckenbalken und Mauerschwellen erneuert werden, da diese starke Fäulnis aufwiesen und die Tragfähigkeit nicht mehr gegeben war. Die Deckenbalken im östlichen Teil des Obergeschosses wurden nur verstärkt, da in jüngerer Zeit bereits eine Auswechselung erfolgt war.

 

Finanzierung

 

Die Gesamtsanierungskosten betrugen ca. 940.000,00 DM, wobei sich der Eigenanteil auf ca. 640.000,00 DM belief. Zuschüsse kamen von der Denkmalbehörde, dem Landeskirchenamt sowie der Stadt Chemnitz in Höhe von 298.000,00 DM. Durch Eigenleistung von ca. 2500 Arbeitsstunden konnten die Baukosten gesenkt werden.

 

Erhaltungsmaßnahmen

 

Im Zeitraum von April bis September 2008 wurde das gesamte Pfarrhausdach erneuert sowie der darunter befindliche Boden für eine spätere Nutzung für Jugendarbeit saniert.  Im Frühjahr 2017 wurde der Zugang zu den Friedhofstoiletten saniert. Dabei wurden die Stufen erneuert und der Fußboden mit Theumaer Schieferplatten ausgestattet.