ST. JODOKUS

Namenspatron unserer Kirche

 

JUDOK/JODOK; Priester; Einsiedler, mit der Krone zu seinen Füßen

Name: (kelt. Jud = Kämpfer), Ucek (bret.), Judoce und Josse (frz.), Jodok, Jo(o)st, Jobst (dt.), Joyce (engl.), Judocus/Jodocus (lat.)

 

Gedenktag: 13. Dezember, geb. um 600 in der Bretagne, gest. um 669 in St. Josse

Patron der Pilger, Schiffer, Bäcker, Bauern, Winzer, Siechenhäuser, Friedhofskapellenj

 

Sein Vater Judhael regiert die aus England (Britannia major) in die Bretagne (Britannia minor) eingewanderten keltischen Stämme erstmals als gemeinsamer König. Als der ältere Bruder Judicael die Nachfolge auf den breton. Königsthron zurückgibt, weil er ca. 636 ins Kloster gehen will, entzieht sich auch Jodokus der Nachfolge und schließt sich einer zufällig vorbeikommenden Pilgergruppe an.

 

Er landet am Hofe des Grafen Haymo(n)/Picardie, der ihm zum lebenslangen Gönner wird. Zum Priester geweiht wirkt er sieben Jahre als Hofkaplan. Als es Jodokus in die Einsamkeit zieht, baut ihm Haymo an drei verschiedenen Stellen eine Klause (Brahic an der Authie – Runiac an der Canche – St. Josse). Aus der letzten entwickelt sich später die Abbaye St. Josse. Gegen Ende seines Lebens pilgert er nach Rom und kommt mit Reliquien beladen zurück. Ein paar Monate nach seiner Rückkehr stirbt er und wird zunächst in seiner Kirche begraben, später in einem Schrein beigesetzt.

 

Die Viten berichten mehrfach von Wundern schon zu Lebzeiten.: Er teilt den letzten Bissen Brot; dafür treiben Schiffe ans Ufer, beladen mit Lebensmitteln. Bei der Messfeier erscheint eine segnende Hand. Er heilt von Rom kommend ein blindes Mädchen (Croix coupée in Bavémont). Noch mehr Wunder geschehen an seinem Grab. In der Zeit der Überfälle durch die Normannen nehmen die Mönche (die) Reliquien mit nach Hyde in England. Der mehrfach erneuerte Reliquienschrein steht heute in der Dorfkirche von St. Josse-sur-Mer, wohin man ihn in der Franz. Revolution gerettet hat. Verschiedene Kirchen erhielten Reliquien: z. B. Landshut (seit 1338, geteilt mit Tännesberg und Ravensburg), Langenfeld (Eifel), Bielefeld, St. Josse-ten-Noode/Brüssel usw.

 

 

Jodokus gilt im Mittelalter neben Jakobus als „der“ Patron der Pilger. Von ihm unterscheidet ihn nur die Krone zu seinen Füßen, weil er auf sie verzichtet hat. Seine Verehrung verbreitet sich über die Benediktinerklöster und entlang der Pilgerwege. Auch wenn es im Mittelalter heißt: „Wem Sant Jago zu weit ist, der geht nach Saint Josse!“, so ist er nicht zuerst Pilgerziel, sondern Begleiter aller Menschen, die als Pilger unterwegs sind. Deshalb überzieht ein Netz seiner Kirchen und Kapellen ganz Europa. Erst die Reformation stoppt die große Pilgerbewegung und lässt mit ihr Jodokus nahezu vergessen.

 

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In Zeiten der Lepra wird er, zuständig auch für die letzte Wegstrecke des Lebens, Patron der Siechenhäuser, die außerhalb der Städte liegen, wie auch der Friedhofskapellen. Dargestellt wird er auch als Einsiedler, die heilige Schrift meditierend, oder mit Mitra und Stab als erster „Abt“ seines Klosters.

 

Noch heute begegnen wir einer lebendigen Tradition in St. Josse-sur-Mer, wenn während der Pfingstwoche in Prozessionen seine Lebensstationen aufgesucht werden. Tännesberg/Oberpfalz begeht am letzten Junisonntag den großen St.  Jodok-Ritt (Pferdeprozession). Eine ganze Reihe von Pfarreien pilgert im Herbst, meist organisiert von Jodokus-Bruderschaften, zur Jost-Kapelle ins Nitztal bei Langenfeld/Eifel. Das ehemals frequentierte Pilgerziel Norddeutschlands in Stinstedt hat die Nachreformationszeit nicht überlebt.

 

Autor; Alfred Rössler (32 Jahre Pfarrer einer Jodok-Kirche in Landshut)

 

Weitere Informationen zu Jodokus finden Sie im Internet unter  www.saint-josse-europe.eu und www.st.jodok.de sowie www.saint-josse-sur-mer.fr