Ich lobe dich des Tages siebenmal ...

Psalm 119,164

 

Liebe Gemeindeglieder in Glösa!

In diesem Jahr schauen wir auf 875 Jahre Stadt Chemnitz zurück. 1143 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt. Schon 1136 wurde ein Benediktinerkloster gegründet. Mönche aus Pegau ziehen in das Chemnitzer Kloster ein.

Benediktinerklöster gehen auf Benedikt von Nursia zurück, der von 480 bis 547 in Italien lebte. Benedikt hatte in Rom eine Stadt erlebt, die durch die Wirren der Völkerwanderung völlig dekadent geworden war. Er spürte, dass dort seines Bleibens nicht sein konnte. So zog er sich, getrieben von einer Sehnsucht nach einem Leben ganz mit seinem Gott, in die Bergeinsamkeit der Wälder um Subiaco in eine Höhle zurück. Er hatte das große Verlangen, nur noch seinem Gott zu dienen. Dort hatte er jene Ruhe, die hellhörig macht, die unterscheidcn lehrt, was wirklich wichtig ist. Er vertiefte sich in das Wort Gottes. Er betete viel. In der Stille wurde er hellwach für Gottes Reden, für Gottes Walten in der Schöpfung. Aus diesem Hören auf Gottes Wort wurde ein ganz lebendiger Dialog mit seinem Schöpfer. Er wusste sich gerufen, gemeinsam mit anderen dieses Leben der Gottsuche zu praktizieren. Aus dieser Erfahrung heraus schrieb er eine Regel für Menschen, die wie er ganz für Gott leben wollten, für Mönche. Kurz zusammengefasst lautet sie: bete und arbeite und lies Gottes Wort. – Ora et labora. Der Tagesablauf der in der Klostergemeinschaft Lebenden wird bestimmt vom Rhythmus des gemeinsamen Stundengebets, denn in Psalm 119,164 lesen wir: „Ich lobe dich des Tages siebenmal“. Das ist Ziel all ihres Tuns: Gott zu loben und zu preisen, ganz in der Bibel zu Hause zu sein, ihren Lebensunterhalt zu verdienen meist im sozialen Sektor.

In meinem Urlaub konnte ich zwei Benediktinerklöster in Österreich besuchen; gemeinsam mit den Mönchen unserem Gott Lob darbringen. Ich blicke dankbar darauf zurück, dass das auch der Anfang unserer Stadt war: Ich lobe dich des Tages siebenmal ... Auch wenn das Benediktinerkloster auf dem Schloßberg im Zuge der Reformation aufgelöst wurde, ist es weiterhin für uns, die wir mit Gott leben, Gabe und Aufgabe:

Siebenmal am Tag lobe ich dich, Herr ...

 

Es grüßt Sie herzlich im Namen aller Mitarbeiter

 

Irmtraud Weiß