Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.

Matthäus 2,10

 

Es ist wieder soweit! Fenster und Zweige sind mit Sternen geschmückt, und in vielen Häusern leuchten sie groß mit ihrem warmen Licht. Es ist Advent geworden. „Wie lange dauert es denn noch ...?“, klingen uns vielleicht manche Kinderfragen im Ohr.  Die Weihnachtsmänner aus Schokolade stehen schon lange im Regal, der Stollen wird in den höchsten Tönen angepriesen, die Frage nach den Wünschen und Geschenken steht im Raum. Mir gehen Melodien durch den Kopf und manche Äußerung, dass die Adventslieder doch oft die rechte Freude vermissen lassen. Aber genau diese Nachdenklichkeit in Wort und Tönen macht mich erwartungsvoll. Jochen Klepper dichtet in seinem Lied: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ Sicher kennt sie jeder, die sorgenvollen Nächte, in denen man schlaflos liegt, weil man Angst vor kommenden Ereignissen hat oder krankheitsbedingte Beschwerden ertragen muss, sich die Dunkelheit als belastend erweist und die Nacht einfach nicht enden will. Jochen Klepper hat es mit seiner Frau besonders buchstabiert als jüdische Familie in einem Naziregime. Auch wenn er mit seinen  Lieben letztendlich den Weg der Selbsttötung gegangen ist, hat er diesen Stern gesehen, der das Ende der Nacht, das Ende der Angst, das Ende der Ohnmacht und Schuld angezeigt hat. „Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.“, so dichtet er in der 04. Strophe. Ich singe dieses Lied, und es durchströmt mich warm im Körper, selbst wenn die Melodie etwas traurig klingt. Der Stern scheint auch für mich, er macht mein Herz hoffnungsvoll, besonders dann, wenn mich Sorgen plagen und meine Angst am größten ist. Gott selbst ist Mensch geworden und kennt die Tränen, die Verzweiflung, die Ratlosigkeit angesichts der tagtäglich in den Nachrichten gemeldeten Unmenschlichkeiten.

Der Stern der Gotteshuld zeigt mir Gottes Erbarmen über unsere Welt. Die Weisen aus dem Morgenland wurden hocherfreut, als sie den Stern sahen – so sagt es der Monatsspruch für Dezember. Sie haben keine Mühe und keinen Weg gescheut, ihm nachzugehen und fündig zu werden – sie haben darauf vertraut, dass er das Ziel zeigt, für das sich lohnt, unterwegs zu sein – dort die Antwort auf all ihre Fragen zu finden. Möge der Stern, der uns Gottes Nähe verkündet, hell in uns und für andere scheinen, ja, unser stetiger Begleiter sein.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch im Namen aller Mitarbeiter eine gesegnete Adventszeit.

                                           Christine Hübler