Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Lukas 2,12

 

In diesem Jahr durfte ich die Geburtskirche in Bethlehem besuchen. Erstaunt war ich darüber, wie niedrig die Tür der Kirche ist. Wer da hinein will, muss sich tief bücken. Am Gemäuer ist leicht zu erkennen, dass der Zugang einmal viel höher war.

 

Es wird erzählt, dass Menschen, die nicht an Jesus glaubten, das Heilige Land eroberten und mit ihren Pferden in diese älteste Kirche der Christenheit hineinritten. Um das zu verhindern, mauerte man die hohe Tür bis auf einen niedrigen Eingang zu. So muss jeder, der hinein will, von seinem „hohen Ross“ herunter steigen.

Mancher empfindet das als Zumutung!

Aber anders geht es nicht. Wer den Heiland sehen will, muss sich tief bücken.

 

Denn auch Weihnachten beginnt ganz klein in einem kleinen, schäbigen Stall, in einem mickrigen Futtertrog, aus dem sonst Tiere fressen.  mit einem Baby, das gerade erst geboren wurde.

 

Gott kommt als Kind zu uns – nicht als Erwachsener, nicht als Oberlehrer mit Ermahnungen, nicht als abgeklärter Alter, der schon alles weiß und kann, der schon fertig ist mit der Welt – wie wir so oft.

Gott wählt die Gestalt eines Kindes, weil er sich ganz auf unser Menschsein einlassen will. Darum ist das Lachen des Säuglings in der Krippe ein Hoffnungssignal für alle, die das Lachen verlernt haben.

 

Warum macht Gott sich so klein? Warum kommt er nicht als mächtiger und gewaltiger Herrscher, sondern als ein ohnmächtiges Kind?

Ein kleines Kind hat etwas Entwaffnendes. Vor einem Kind müssen wir uns nicht fürchten. Wir brauchen vor Gott keine Angst zu haben In Jesus neigt sich der Himmel zur Erde. Seine Botschaft: „Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren!“

Gott kommt nicht, um euch „runter zu machen“. Er kommt selbst zu uns herunter. Gott will nichts von uns, nur dies eine, dass wir uns an diesem Kind freuen., dass wir Jesus lieb gewinnen.

 

Der Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem ist niedrig. Vielleicht wird uns jetzt deutlich, warum mancher das Kind in der Krippe nicht findet. Entweder er läuft gehetzt an diesem Stall vorüber, oder er lässt sich vom Weihnachtsrummel, der oft so wenig mit Weihnachten zu tun hat, ablenken, oder er bückt sich einfach nicht tief genug, um das Kind in der Krippe sehen zu können.

 

 

Es grüßt Sie herzlichst im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher

 

Ihr Pfarrer Horst Oertel

 

 

 

 

 

 

 

(E-Mail an Pfr. Horst Oertel)